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Nordostbahnhof


Eckdaten   Lage und Struktur   Förderung  

Eckdaten

  • Sanierungsgebiet seit 12/2000
  • aufgenommen im Programm  »Soziale Stadt«
  • Fläche:  28 ha
  • Wohngebäude:  348
  • Wohnungen:  2.347
  • Einwohner/-innen:  3.991
  • davon Ausländer/-innen:  1.095
  • Haushalte:  2.246
  • davon Einpersonenhaushalte:  1.343

Als Ergebnis eines 1928 ausgelobten Wettbewerbs entstand die Siedlung Nordostbahnhof zum größten Teil von 1929 bis 1931 auf der grünen Wiese, weit vor den Toren der Stadt. Dieser Siedlungsteil steht heute als Ensemble unter Denkmalschutz. Den baulichen Abschluss fand die Siedlung erst in den fünfziger Jahren. Heute wohnen hier ca. 4.000 Menschen. Eigentümerin der Siedlung ist das zum städtischen Unternehmensverbund gehörende wbg Nürnberg GmbH Immobilienunternehmen.

Lage und Struktur

In den 60-er und 70-er Jahren war die Wohnanlage eine gutbürgerliche Arbeitersiedlung. Die Familien waren teilweise mit zwei Verdiener/-innen ausgestattet, es gab viele Kinder und eine ganze Reihe von Einzelhandelsgeschäften. Die St. Lukas-Gemeinde hatte einen großen Zulauf, in der Volksschule Oedenberger Straße wurden mehr als 700 Kinder unterrichtet. Die soziale Kontrolle funktionierte, und auch die Nachbarschaften waren intakt und funktionierten oft über mehrere Häuser hinweg sehr gut. Der Anteil an Migrant/-innen war nicht nennenswert.

Stadtplanausschnitt Sanierungsgebiet Nordostbahnhof

Datengrundlage: Amt für Wohnen und Stadterneuerung
Kartengrundlage: Amt für Geoinformation und Bodenordnung

Aber der Wandel und die Veränderungen der Gesellschaft machten auch vor der dörflichen Idylle am Nordostbahnhof nicht halt. Nach und nach gaben die kleinen Tante-Emma-Läden auf, durch die Gastarbeiterwelle in den 70er Jahren gab es plötzlich einen politisch gewollten Zulauf von Menschen aus anderen Kulturen. Die Wohnungen wurden nur noch auf Vorschlag des Wohnungsamtes belegt, und es begann ganz langsam und schleichend eine Veränderung, die oftmals nur von den darauf nicht vorbereiteten Alteingesessenen moniert wurde. Bereits in den neunziger Jahren zeichneten sich erste soziale Auffälligkeiten ab. Bedingt durch das einseitige Wohnungsangebot an kleinen, einfachst ausgestatteten, preiswerten Wohnungen und das Belegungsrecht der Stadt Nürnberg rükkten im Zuge der normalen Fluktuation immer mehr Empfänger/-innen von nur geringen Einkommen und/oder Transferleistungen als Mieter/- innen nach. In einem Gutachten zur Sozialplanung aus dem Jahr 1991 wurde auf die Gefahr einer Abwärtsentwicklung zu einem sozialen Brennpunkt hingewiesen.

Entscheidende Hilfe kam im Jahr 2000, als der Nordostbahnhof zum Stadterneuerungsgebiet ernannt und die Siedlung in das Programm Soziale Stadt aufgenommen wurde. Ausgestattet mit einem Fördervolumen von fünf Mio. EUR wurden folgende Maßnahmen empfohlen und umgesetzt:

Förderung

An erster Stelle der Maßnahmen stand die Modernisierung des Wohnungsbestandes. Die wbg hatte bereits mit dem Umbau der ersten Häuserzeilen in familiengerechte Einheiten begonnen. Bis heute hat das Wohnungsunternehmen in der Siedlung ca. 70 Mio EUR für Modernisierungs-, Um- und Neubaumaßnahmen investiert.

Die Aufwertung und bessere Nutzbarmachung der öffentlichen Freiflächen und des Schulgeländes war ein weiteres wichtiges Thema. Hierzu wurde ein städtebaulicher Ideenwettbewerb durchgeführt, der nun Schritt für Schritt umgesetzt wird.

Auch der Neubau eines Kinder- und Jugendhauses mit Schulleitung und Hort stand von Anfang an auf der Forderungsliste und ist inzwischen realisiert. Nicht eingeplant war dagegen der Ausbau der Konrad-Groß-Schule zur Ganztagesschule mit einem Erweiterungsbau auf dem Schulgelände. Dies war möglich geworden durch ein neues Förderprogramm des Bundes (IZBB).

die wbg hat sich 2000 der Stadterneuerung angeschlossen und einen Sanierungs- und Modernisierungsschwerpunkt gebildet. Generell galt es, die Vielzahl der kleinen Wohnungen zu verringern und zeitgemäße Wohnungen für Familien zu schaffen. Es gab aber noch weitere wichtige Maßnahmen, die entscheidend zur Aufwertung der Wohnanlage geführt haben. So zum Beispiel die freie Vergabe der Wohnungen. 2003 übertrug die Stadt Nürnberg die Belegung ihrer nicht belegungsgebundenen Wohnungen der wbg. Kriterium war nun nicht mehr Einkommen oder Haushaltsgröße, sondern ob jemand menschlich in das Haus und zu den vorhandenen Bewohner/-innen passt und die Zahlung der Miete sichergestellt ist. Weitere Neuerungen wie die Schaffung von Wohneigentum, freifinanzierter Wohnungsbau und die Systemumstellung der Wohnungsbauförderung führten zu vielseitigeren Belegungsstrukturen und damit zu einer Verbesserung des Wohnumfeldes.

Durch das Ineinandergreifen der erwähnten Maßnahmen und die intensive Einbindung der Bevölkerung in die Projekte ist bereits eine spürbare Verbesserung der Situation am Nordostbahnhof eingetreten. Die Siedlung ist dabei, wieder eine begehrte Adresse zu werden.

Die Menschen tragen den Strukturwandel im Quartier mit großem Engagement mit. Alle Maßnahmen haben zu einer Wiederbelebung und Steigerung der Identifikation mit der Wohnanlage geführt. Der Nordostbahnhof hat seinen Charme wieder.

Dazu beigetragen hat auch eine Vielzahl von Mikroprojekten durch die „Lokales Kapital für soziale Zwecke“-Zusatzförderung, die für das Soziale-Stadt-Fördergebiet Nordostbahnhof ausgereicht wurden. Jährlich standen 80 000 EUR zur Verfügung, mit denen ergänzend zum großen Bund-Länder-Kommunen-Fördertopf Positives bewegt und erreicht werden konnte.

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Europäische Union, Europäischer Sozialfonds Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Jugendamt Stadt Nürnberg