Lokales Kapital für Soziale Zwecke Nürnberg: Lokales Kapital für soziale Zwecke Nürnberg online



Stärker werden und weiter gehen

Tanja, Ebru und Mourat

Teilnehmer/-innen von Projekten des emMesS media Service

Exkursionen in Betriebe, Interviews mit Angestellten und das Aufarbeiten der Erlebnisse für andere Schüler/-innen – die verschiedenen „Lokales Kapital für soziale Zwecke“-Projekte von Journalist Matthias Schwincke sollten Jugendlichen Medienund Sozialkompetenzen vermitteln. Wie sie von dem Projekt profitierten – das erzählen Mourat (18), Ebru (17) und Tanja (20).

Warum fällt vielen Schülerinnen und Schülern der Wechsel in den Beruf so schwer?

Tanja: Vielen fehlt die Eigeninitiative – es sollte in der Schule mehr Wert darauf gelegt werden, Initiative zu fördern. Aber ich weiß nicht, ob die Schule wirklich an die Schülerinnen und Schüler rankommt. Vielleicht sollte man mehr sozialpädagogische Fachkräfte einstellen wie etwa in der Sperberschule. Da hatten die Jugendlichen jemanden, mit dem sie ihre Probleme besprechen konnten, der ihnen Mut machte und sie antrieb.

Mourat: Viele wachen erst auf, wenn sie im Beruf nicht klarkommen.

Tanja: Die Schülerinnen und Schüler denken eben, sie haben noch viel Zeit.

Was haben Euch die Projekte gebracht?

Tanja: Der redaktionelle Teil hat mich ganz besonders interessiert – die Interviews, das Schreiben. Ich habe zum Beispiel gelernt, wie man in eine Reportage einsteigt. Das hat mir danach bei Bewerbungen und im Beruf geholfen. Klar, Erfolge hatte ich nicht gleich – ich habe auch über 100 Bewerbungen geschrieben, lernte dann drei Jahre Rechtsanwaltsfachangestellte, bin nun fertig. Aber das ist mir immer noch zu wenig. Ich will aufsteigen und mehr verdienen. Ich mache jetzt mein Abitur nach und will Jura studieren.

Ebru: In der achten Klasse stieg ich beim Projekt „ Blick b.“ ein. Mich haben eigentlich schon immer sehr viele Berufsfelder interessiert – aber ich konnte mich nicht entscheiden. Dank der Projekte habe ich sehr viele Praktika machen können und viele Betriebe kennen gelernt. Ich habe schon als Gleisbauerin, Altenpflegerin, medizinische Fachangestellte gearbeitet. Drei Jahre lang habe ich bei den Projekten von Herrn Schwincke mitgemacht. Und wenn ich das in den Bewerbungen schreibe, kommt es immer gut an.

Mourat: Ich konnte in Berufe reinschnuppern, die mich sonst nie interessiert hätten. Ich war damals in einer Berufsmaßnahme. Freunde erzählten mir von den Projekten, da wollte ich auch mitmachen. 2007 habe ich eine Ausbildung als Fachverkäufer in einer Bäckerei begonnen. In einem Projekt hatten wir eine Bäckerei besucht – meine Berufswahl ist also kein Zufall...

Wie begegneten Euch die Mitarbeiter/-innen der Betriebe, die Ihr besucht habt?

Mourat: Die haben zum Glück nicht gedacht: „Jetzt kommt schon wieder eine Klasse, wieder mehr Arbeit.“ Sondern sie haben sich besonders viel Mühe gegeben. Etwa der Frisör, der hat uns ausführlich gezeigt, welchen Schnitt er warum wählt. Man konnte ohne Scheu fragen, alle waren offen, locker, haben auch mal Witze gemacht.

Hat sich für Euch etwas verändert durch Eure Teilnahme an den Projekten?

Tanja: Ich kann mich besser ausdrücken. Und ich bin selbstsicherer. Die Projekte haben mir geholfen, meine Stärken zu erkennen. Ich wusste vorher zum Beispiel gar nicht, dass ich sehr gut organisieren kann.

Ebru: Ich bin auch selbstsicherer im Umgang mit anderen. Ich kann gut Bewerbungen schreiben und habe keine Angst mehr vor Vorstellungsgesprächen.

Mourat: Ich bin jetzt im ersten Lehrjahr beim „Casa Pane“. Es gab eine Zeit, da wollte ich aufgeben. Aber ich sagte mir: Das schaffst du. Ich bleibe dabei, ich halte die Regeln ein. Ich gebe etwas von mir, sie geben etwas von sich. In den Projekten war das nicht anders.

Was war gut – was vielleicht enttäuschend?

Mourat: Mir hat alles sehr gut gefallen. Wir hatten immer Spaß. Und der Besuch in der Bäckerei – das war quasi die Einführung in den Beruf, den ich jetzt ausübe. Ich wusste, was auf mich zukommt. Das letzte Projekt, die Hip-Hop-CD mit den gesungenen Berufen, war für mich das schönste. Im Vorfeld haben wir uns überlegt: Was ist überhaupt Hip-Hop? Wie weit kann man textlich gehen? Wir haben gelernt, wie man das macht. Darauf bin ich stolz. Und ich bin sicher, die Jugendlichen werden die CD hören, weil Musik sie einfach interessiert. Die Schülerinnen und Schüler sind eben faul. Lesen wollen die nichts. Leider war die Zeit beim letzten „Lokales Kapital für soziale Zwecke“-Projekt mit der CD relativ knapp. Wir hätten noch mehr Lieder produzieren können.

Tanja: Ich hatte auch immer Spaß. Die Stunden waren locker. Wir hatten ja nie das Gefühl, vor einem Lehrer zu stehen. Negativ war, dass einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht so mitzogen. Da dachte ich mir: „Wacht doch mal auf, Leute!“ Diese Einstellung hat mich extrem gestört.

Habt Ihr Freundinnen und Freunden davon erzählt?

Alle: Klar.

Ebru: Und ich habe meine Schwester gleich mitgebracht.

Tanja: Ich habe meinen Bruder und einen Freund mitgebracht. Der Bekannte ist Stuckateur und er hat im letzten „Lokales Kapital für soziale Zwecke“-Projekt ein Lied über seinen Beruf gesungen.

Fühlt Ihr Euch gut vorbereitet für den Beruf?

Ebru: Ja, ich glaube, ich kann beruflich ganz gut starten. Aber ich habe mich entschieden, jetzt keine Ausbildung zu machen. Ich habe einen Noten-Durchschnitt von 1,8 und werde auf die Wirtschaftsschule gehen.

Mourat: Es gibt ja immer etwas zu lernen, ich würde gern weiter bei Projekten mitmachen. Und neue Schülerinnen und Schüler, die so unerfahren sind wie wir am Anfang, die könnten wir coachen. Manche Jugendliche lassen sich ja von Eltern oder Lehrkräften nicht an die Hand nehmen, aber vielleicht von uns? Wir sprechen ihre Sprache.

Tanja: Dann könnten sie sehen, dass man auch mehr als die Hauptschule schaffen kann. Und dass man nach ein paar Bewerbungen, die zurükkkommen, nicht gleich aufgibt.

Europäische Union, Europäischer Sozialfonds Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Jugendamt Stadt Nürnberg