Lokales Kapital für Soziale Zwecke Nürnberg: Lokales Kapital für soziale Zwecke Nürnberg online



Informationen mit Event-Charakter kommen an

M. Schwincke

emMesS media Service

Broschüren über Berufe sind hilfreich – wenn man sie liest. Journalist Matthias Schwincke vom emMeS media Service verpackte Informationen gemeinsam mit Jugendlichen spannender. In seinen „Lokales Kapital für soziale Zwecke“-Projekten „blick B.“ oder „Hip-Hop-A-Job“ erarbeiteten Jugendliche, die sich an der Schwelle Schule-Beruf befinden, Informationen über Berufsbilder auf völlig ungewohnte Weise. Und verbesserten zugleich soziale und kommunikative Kompetenzen.

Warum ist es schwer, Jugendliche mit herkömmlichen Berufsinformationen zu erreichen?

Printmedien sind Schülerinnen und Schülern relativ fern. Das Interesse am Lesen ist gering. Zum einen, weil die Jungen und Mädchen sprachlich nicht fit sind, zum anderen können sie sich oft nur schlecht konzentrieren. Darum organisierte ich mit ihnen Exkursionen in die Praxis. Vor Ort interviewten sie Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Berufe. Über die Berufsbilder wie zum Beispiel Tierpflege oder Verkauf schrieben sie Erlebnisberichte – oder wir bauten Berufe in Rollenspiele ein. Im letzten Projekt „Hip-Hop-A-Job“ verarbeiteten wir Berufsinhalte in Hip-Hop-Songs. Ein toller Erfolg! Man muss die Sprache der Jugendlichen sprechen, damit man sie erreicht. Immer dann, wenn Informationen einen Eventcharakter bekamen, wurden sie von den Schülerinnen und Schülern interessiert aufgenommen.

Was haben die Jugendlichen gelernt?

Es spezifizierten sich schnell Vorlieben und Fähigkeiten heraus. Wir wussten bereits nach wenigen Tagen, wer gut interviewen, fotografieren oder schreiben kann. Das förderten wir gezielt. Außerdem lernten die Teilnehmer/-innen, wie man richtig telefoniert, formuliert, kommuniziert. Die Projekte waren gute Spielwiesen für die Jugendlichen, um zu erkennen, was in ihnen steckt und was ihnen liegt.

Einige Schüler/-innen waren bei mehreren Projekten dabei. Konnten Sie bei ihnen eine Entwicklung beobachten?

Viele Teilnehmer/-innen gewannen im Laufe der Projekte deutlich an Selbstbewusstsein. Das wirkte sich positiv auf die Atmosphäre aus: Die Gruppen gingen respektvoller miteinander um. Manche gingen in den Projekten voll auf, wie zum Beispiel Ebru. Sie wurde nach einem Projekt bereits Tutorin, organisierte Termine, leitete andere Hauptschülerinnen und Hauptschüler an, übernahm Führungsfunktionen innerhalb der Gruppe. Oder Mourat – er wurde zum Tutor des Hip-Hop-Projekts. Beide übernahmen freiwillig und gern mehr Verantwortung. Ihre Teilnehmer/-innen standen an der Schwelle von der Schule zum Beruf. War die Sorge, keinen Ausbildungsplatz zu bekommen, ein Thema? Nein – im Gegenteil. Sie waren eher gedankenlos. Ich war überrascht, wie verspielt diese Schülerinnen und Schüler noch waren, obwohl sie kurz vor dem Einstieg ins Berufsleben standen. Es hat mich immer wieder erstaunt, dass sie auf den Übergang Schule-Beruf nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit vorbereitet wurden. Unsere Projekte konnten die Jugendlichen ein wenig wachrütteln – besonders die Firmenbesuche.Manche Jugendliche erreichten diese Signale aus der Realität und störten ihre Traumexistenz ganz erheblich. Andere schoben die Zukunft auch dann noch beiseite – nach dem Motto: Das kommt später.

Wie beurteilen Sie rückblickend „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ als Förderprogramm?

„Lokales Kapital für soziale Zwecke“ ermöglichte mir und den Jugendlichen eine sehr freie Arbeit, da eine Vollfinanzierung des Mikroprojektes immer gewährleistet war. Als ein wenig nachteilig empfand ich, dass ich die Projekte jährlich modifizieren musste. Für mich als Projektträger war das schwierig, da ich so fast immer wieder ganz von vorn anfing.

Europäische Union, Europäischer Sozialfonds Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Jugendamt Stadt Nürnberg